Blau

Wie blaue Seen den kalten, blauen Himmel zeigen,
so will ich mich zu deinen eisig Augen neigen.
Dort spiegelt weiße Sonne glitzernd mein Verlangen;
ich bin in deinen eisig Augen ganz gefangen.

So wie die Sonne glitzernd Seen erstrahlen lässt,
so halt ich mich in diesen Blicken fest.
Und ist der klare, blaue Himmel noch so fern,
zerschmelze ich vor deinem eis'gen Blau doch gern.

Düsternis

In meinen dunklen Träumen blinkt
leises Leuchten am Horizont.
Doch Warten hab ich nie gekonnt,
wenn Licht mir aus der Ferne winkt.

Denn:

Es brennt deine Düsternis in mir,
hält mich wach und ganz umfangen
mit brennend Dunkel und Verlangen.
So entflammt seh ich nun zu dir.

HAB DICH (lieb)

Ich hüll dich jetzt mit meiner Liebe fest,
spinn dich ein und bau im Herz ein Nest.
Mit Arm und Bein und Kuss umschlungen,
ist mir der Korkon gelungen.
Du liegst still und rührst dich nicht,
eingehüllt in Fäden wie aus Licht.
Ich sorg für dich, mein Edelstein.
Schatz, du bist auf ewig MEIN!

Tristesse

Sitze hier und weiß nicht weiter.
Das Rattenvieh wird gar nicht heiter.
Ich ring mit allen Waffen einer Frau,
doch das Ergebnis erscheint mir mau.
Ist immer noch vom Wolf gefangen,
ist immer noch in Grau verhangen.
Das Feuer in mir reicht nicht aus,
er kommt nicht aus dem Schneckenhaus.

Ich brenne heiß vor Ungeduld,
geb entflammt schon mir die Schuld,
für etwas, das nicht mein Verschulden ist.
Ach, Ratte, ist die Welt in echt so trist?

Habe Mut

Willst du mir nicht vertrauen?
Willst du nicht auf mich bauen?
Ich hab Wärme, Liebe, Licht,
genügt dir das alles nicht?
Lässt die Dunkelheit dich fangen,
bist im Gestern grau verhangen.
Es tut mir leid, nicht zu genügen,
will mich keinem Schicksal fügen.
Ich bin Feuer, groß, schrecklich heiß,
groß, was ich über dich nicht weiß.
Es ist so gefährlich, dieses Spiel,
kaum Gewinn, zu verlieren so viel.
Doch der Gewinn ist Sonnenschein,
lass ihn in dein Herz hinein!
Halt ihn fest, lass uns nicht los,
gib dem Grau in dir einen Stoß,
trockne die Tränen, vertraue neu.
Dein Lächeln ist's, woran ich mich freu!
Vertrau mir, ich halte das Feuer klein,
wärmen soll's, nicht verbrennend sein.
Wärm dein Herz und lebe wie von Neuem!
Lass mich das Wagnis nicht bereuen!

Kronenstrahlen

Einer Göttin Thron aus weichem Fell gebaut.
Fliegt der Vogel unter mir empor zum Blau,
Kitzeln seine Flügelfedern meine Haut.
Leuchtend Herbstes Laub gleich tanzend im Wind
Streicheln Küsse meine Füße wolkengrau,
die von Sonnenstrahlen ganz umduftet sind.
Einer Göttin legt der Herbst die Welt zu Füßen,
Golden vor das Fell mit sanften Grüßen.
Staunden sehe ich auf meinem Haupt der Sonne
Kronenstrahlen.

Sehnsuchts-braune Augen

Tümpel liegen tief im Wald, darin
spiegelt leicht sich Waldes grüner Sinn.
Dunkel, still, von Tann umgeben,
sammeln Tümpel in sich Leben.
Über ihnen schwirrt die Sonnenluft,
friedvoll dunkel-grüner, brauner Duft.
In sich sammeln sie die stille Kühle,
die ich auch in deinen Augen fühle.
Sanftes Ziehen, tiefes Sehnen, dort
dunkel, warm in Waldes nassem Ort.
Sehnsuchts-braune Augen sind des Waldes Seen.
So in deinen Augen will mein Herz zergehn.

Lob

Süß ist Honig zart im Mund.
Warm ist Sonne auf der Haut.
Schön sind Blumen bunt im Grün.
Kühlend ist der Schnee, der taut.
Herrlich ist der Wolf so kühn.
Mehr jedoch noch ist mein Hund!

Weidenkätzchen

Eine Weide beugt sich nieder,
ihre Kätzchen voll von Tau.
Wind singt in den Ästen rau,
singt doch dabei Liebeslieder.

Weide, Weide, meine Freundin, warum weinst du in der Sonne?

Ach, es seufzt die Weide leise,
und die Kätzchen schaudernd leicht.
Wie rührt die raue Stimme seicht,
auf so zärtlich liebe Weise.

Weide, Weide, meine Freundin, warum weinst du in der Sonne?

Sieh, die Sonne scheint so hell,
Weide, warum weinst du noch?
Lieber Wind, das weißt du doch.
Der süße Vogel floh zu schnell.

Weide, Weide, meine Freundin, frei sind deine Äste nun!

Und am Wege läuft ein Hund,
Kätzchen schnurren so erfreut,
Fröhlich winken dir die Leut,
es ist eine gute Stund.

Weide, Weide, meine Freundin, trocken sind die Kätzchen nun!
War doch nur ein Morgentau, der sie so darnieder zog!
Was kümmert dich ein Vogel, der zum Himmel weiter flog?

Angesichts der Möglichkeiten

Vor mir entfaltet sich der Raum
Streckt die Flügel höher noch empor,
Säuselt Möglichkeiten in mein Ohr.
Wachend hör ich meinen Traum.

Vage Nebel lichten kurz nur sich
Geben Blicke frei auf Glasgebilde,
Möglichkeiten, zarte, große, wilde,
So zerbrechlich, dass ich fürchte mich.

Sanft erzählt der Wind die Sagen,
Schmetterling im Wolkenschloss,
Weißer Ritter, schwarzes Ross.
Leuchtend will das Herz es wagen.

Zögernd stehe ich und staune,
Unentschieden sind Unendlichkeiten,
Die vor mir so glänzend, glitzernd gleiten.
Endlos möglich. Und ich raune:

Danke dir, mein Raumentfalter,
Danke dir, mein Seelenhalter,
Danke dir, mein Sonnenlicht,
Danke dir. Verletz mich nicht.