Glas

Ich bin aus glimmendem, glühenden Glas,
kommst du zu nah, wirst du flammender Fraß.
Sie wollten mich kühlen und warfen mit Eis,
da barst ich zu Splittern, scharfkantig und heiß.

Wollte mit hoffendem Sommerwind reisen,
doch auch er kann mich nur kalt vereisen.
Ach, also stürzt ich und brach grell in Stücke,
schlug meinem Herz eine riesige Lücke.

Schwebe geborsten, verglühend,
Flammen ein bisschen bemühend.
Du - Nebel um mich, wattenweiß.
Ich - glühend und doch nicht zu heiß?
Kannst du mich auch so nah ertragen?
Ich kann das Hoffen noch nicht wagen.
Ich bin aus glimmendem, glühenden Glas.

Sommerwind

Der warme erste Sommerwind
streicht so sanft durch mein Gefieder,
ängstlich, dass sie nicht verloren sind,
strecke ich die Flügel wieder.
Wie die Sonne so weich und zart,
trägt warmer Wind mich leicht empor.
War einst der Boden noch so hart,
und teuer, was ich dann verlor:
nun trägt die Luft mich nicht zu weit,
nun hält mein Anker mit mir Schritt,
nun sind Schmetterlinge im Geleit,
nun Hoffnung, die ich mir erstritt.

Doch viel zu schnell erlischt der Sommerwind
zurück bleibt gebroch'ner Flügel und ein Kind.

Veröffentlich 5.6.2020, editiert 31.7.2020

Neu Entflammen

Wir haben gerungen, uns so oft geschlagen,
Teilen den Weg seit so vielen Jahren,
Dass ich vergesse, wie viele es waren.
Wollen uns stets aufs Neue noch wagen.

Du liebst mich, aber es ist so schwer,
Wir teilen alle Ängste, alle Sorgen,
Du trägst mich durch das Jetzt ins Morgen.
Ich lieb dich, jeden Tag noch viel mehr.

Du fängst mich sanft nach jedem neuen Brand,
du bist so müde nach all diesen Runden,
ich sehe uns an, wir sind voller Wunden.
Und dennoch reichst du wieder deine Hand.

Ich will dich entflammen, neu erfinden,
Was wir waren, morgen sind,
Du und ich und auch das Kind,
Uns verlieben und aufs Neue binden.

Denn du bist mein Anker und mein Grund,
Du bist mein Herz, was vertrauen kann,
Du bist mein Leben in jeder Stund,
Du bist mein Licht im Himmel, mein Mann!

Retter meiner Welt

Laut schlägt in meiner Brust
das Herz und meine Lust,
auf Bäume steigen und sie retten,
in weichen Wolken sich zu betten.

Wild schlägt in mir blinde Wut,
Grün tut nur da draußen gut,
treibt auf der Bank die Gier voran,
macht aus dem Mensch den Untertan.

Du fasst lachend meine Hände,
nimmst mir meine engen Wände,
reichst mir eine helle Welt mit Licht.

Werde besser, niemals gut,
in mir wächst ein wütend Mut.
Gegen uns gewinnt Verzweiflung nicht.

Angst haben

Nächtens, wenn du einsam bangst,
In dir, immerzu reißend,
In dir, immerzu beißend,
In dir immerzu, die Angst.

Die Angst vor dem Versagen.
Die Angst vor diesem Leben.
Die Angst, nichts zu geben.
Die Angst vor schlechten Tagen.

In dir Angst, um dich herum,
gefangen in dem dunklen Raum,
der deine Seele ist und Traum.
Lichtlos wendest du dich um,
windest dich, mein Kind, allein.

Doch wisse: Das muss nicht so sein.

Habe Mut

Willst du mir nicht vertrauen?
Willst du nicht auf mich bauen?
Ich hab Wärme, Liebe, Licht,
genügt dir das alles nicht?
Lässt die Dunkelheit dich fangen,
bist im Gestern grau verhangen.
Es tut mir leid, nicht zu genügen,
will mich keinem Schicksal fügen.
Ich bin Feuer, groß, schrecklich heiß,
groß, was ich über dich nicht weiß.
Es ist so gefährlich, dieses Spiel,
kaum Gewinn, zu verlieren so viel.
Doch der Gewinn ist Sonnenschein,
lass ihn in dein Herz hinein!
Halt ihn fest, lass uns nicht los,
gib dem Grau in dir einen Stoß,
trockne die Tränen, vertraue neu.
Dein Lächeln ist's, woran ich mich freu!
Vertrau mir, ich halte das Feuer klein,
wärmen soll's, nicht verbrennend sein.
Wärm dein Herz und lebe wie von Neuem!
Lass mich das Wagnis nicht bereuen!

Weidenkätzchen

Eine Weide beugt sich nieder,
ihre Kätzchen voll von Tau.
Wind singt in den Ästen rau,
singt doch dabei Liebeslieder.

Weide, Weide, meine Freundin, warum weinst du in der Sonne?

Ach, es seufzt die Weide leise,
und die Kätzchen schaudernd leicht.
Wie rührt die raue Stimme seicht,
auf so zärtlich liebe Weise.

Weide, Weide, meine Freundin, warum weinst du in der Sonne?

Sieh, die Sonne scheint so hell,
Weide, warum weinst du noch?
Lieber Wind, das weißt du doch.
Der süße Vogel floh zu schnell.

Weide, Weide, meine Freundin, frei sind deine Äste nun!

Und am Wege läuft ein Hund,
Kätzchen schnurren so erfreut,
Fröhlich winken dir die Leut,
es ist eine gute Stund.

Weide, Weide, meine Freundin, trocken sind die Kätzchen nun!
War doch nur ein Morgentau, der sie so darnieder zog!
Was kümmert dich ein Vogel, der zum Himmel weiter flog?

Angesichts der Möglichkeiten

Vor mir entfaltet sich der Raum
Streckt die Flügel höher noch empor,
Säuselt Möglichkeiten in mein Ohr.
Wachend hör ich meinen Traum.

Vage Nebel lichten kurz nur sich
Geben Blicke frei auf Glasgebilde,
Möglichkeiten, zarte, große, wilde,
So zerbrechlich, dass ich fürchte mich.

Sanft erzählt der Wind die Sagen,
Schmetterling im Wolkenschloss,
Weißer Ritter, schwarzes Ross.
Leuchtend will das Herz es wagen.

Zögernd stehe ich und staune,
Unentschieden sind Unendlichkeiten,
Die vor mir so glänzend, glitzernd gleiten.
Endlos möglich. Und ich raune:

Danke dir, mein Raumentfalter,
Danke dir, mein Seelenhalter,
Danke dir, mein Sonnenlicht,
Danke dir. Verletz mich nicht.

Kraft des Wolfes

In deinen Augen, mein Wolf,
In deiner Stimme, mein Wolf,
In deinen Händen, mein Wolf,
fühle ich:

Feuer, Wasser, Erde, Licht,
fühle meine Ängste nicht,
fühle Liebe, die nicht bricht,
fühle Hitze, die nicht sticht,
fühle mich:

Feuer, Wasser, Erde, Luft,
fühle mich wie Sommerduft,
wie Erde stark und gut,
fühle Kraft und warmen Mut,
fühle dich:

Feuer, Wasser, Erde, Glück,
geb die Liebe nur zurück,
Liebe, Wolf, für deine Kraft,
für den Wolf, der alles schafft.