Dein Wort

Dein Wort, das bezwingt mich nieder,
Dein Wort, das erhebt mich wieder.
Dein Wort verdunkelt meinen ganzen Tag,
Dein Wort, durch das ich wieder lachen mag.

Du sagst, das bringt nichts, dein Wort.
Du fragst, was soll das, dein Wort.

Dein Wort muss nicht gesprochen sein,
Dein Wort wirkt auch durch Blick allein,
Dein Wort ist doch mein Ankerpunkt,
Und schweigst du, brech ich still entzwei.

Schwarzes Loch

Ich trage tausend Sterne in mir drin
und weiß, dass ich doch dunkel für euch bin.
Ich schlage Wellen um mich, die euch ziehen,
und voller Angst bleibt euch nichts als zu fliehen.

In mir sind Licht und Schatten fest verwoben,
zu nah, wird eure Wirklichkeit verschoben.
Ich will so gerne wärmen wie die Sterne,
ganz nah bei euch und nicht in kalter Ferne.
Ich strahle weit hinaus, doch leuchte nicht,
denn ihr sehr nur die Brechung, nicht das Licht.

Reue

Hab den Schleier der Konventionen zerrisssen,
hab dir die Zähne gezeigt und dich gebissen.
Ich habe nicht gewusst, dass du nicht weißt,
wie man mit einem Wolf umgeht, der beißt.
Ich hab gedacht, ich hätt's erklärt,
doch ist's nur Schmerz, der uns was lehrt.
Ich hab den Regeln viel zu sehr vertraut
und mir doch alle Regeln selbst geraubt.

Jetzt bist du verletzt und pflegst die Wunden,
hast mich ganz fern von dir fest angebunden.


Ich bin nur Wolf und auch geschlagen,
bin ungehört und so voll Fragen.
Ich zweifle an der Welt, an mir, an morgen,
mach mir um dich und deine Sterne Sorgen.
Von Ferne seh ich neidvoll, wie sie helfen.
Und wär doch gern auch eine von den Elfen.

Am Boden

Blut rinnt aus den Adern und den Augen,
Schmerz löscht Feuer und den Glauben.
Zukunft wird Vergangenheit.
Schweigen ist, was übrig bleibt.

Keine Kraft mehr, um zu retten,
keine Kraft mehr, lieg in Ketten,
lieg geknebelt, blutig, wund,
Lächeln reicht nur bis zum Mund.

Richte mich am Nordstern aus,
lieber Stern, führ mich nach Haus!
Doch der Stern ist viel zu klein,
um das einzig´Licht zu sein.

An den Wänden blaue Blüten.
In mir Brände, die so wüten.
Schließ die Augen, schließ die Lippen,
weiße Perlen und alleine kippen.
Füge niemand Schaden zu,
weine leis und gebe Ruh.

Gedanken

Ich denk an dich,
bei Tag, bei Nacht ,
ich denk an dich,
was hast du nur mit mir gemacht?

Mich gefangen,
mich gebunden,
mitgehangen,
mit verbunden,
sind verwoben,
Welt verschoben,
tauschen unten gegen oben,
rauschen durch den Himmelsbogen.

An was denkst du?
Gibt uns dir Ruh?
Denkst auch an mich?
Denkst auch an dich?
Wir schweben hier doch nebenander,
was ist der eine ohn' den ander'?

Datenschutz ist Klimaschutz

"Was hälst du eigentlich von Extinction Rebellion?", fragte mich ein Bekannter neulich. "Gute Sache, " sagte ich, " aber sie müssten öfters mal den Chaos Computer Club fragen, ehe sie was digitales machen." Wie kam ich darauf und was hat eigentlich Datenschutz mit Klimaschutz zu tun?

Extinction Rebellion ist eine Gruppe aus England, die in der Zwischenzeit weltweit Mitglieder hat. Sie demonstrieren für mehr Maßnahmen gegen die Klimakrise und machen mit gewaltfreien Aktionen, die auch zivilen Ungehorsam beinhalten, auf die drohende Gefahr aufmerksam. Die Aktivist*innen gehen dabei auch das Risiko ein, verhaftet zu werden. Kritik an der Bewegung gibt es viel: Einigen ist sie zu radikal, anderen zu weiß und wieder anderen nicht radikal genug. Ich halte mich da an Linus Neumann, einem der Sprecher des Chaos Computer Clubs, der im Podcast "Logbuch:Netzpolitik: Rebellionstinder" vom 7.10.2019 überzeugend darauf hinwies, dass es nicht hilfreich ist, das eigene Lager zu beschimpfen - und ja, ich bin überzeugt, dass die Klimakatastrophe ein ernstes Problem ist. Also halte ich Aktionen, die gewaltfrei bleiben und darauf aufmerksam machen, grundsätzlich für gut. Wie Linus bin ich der Meinung, dass man lieber nette Hinweise formulieren sollte, solidarisch Kritik üben.
Was also hat XR getan, um sich Kritik aus den Reihen des CCC einzuheimsen?

Nun, der Titel der Podcast-Folge legt es schon nahe: Sie haben auf ihrer Homepage ein Formular angeboten, bei dem man sich eintragen konnte, wenn man an der Aktion teilnehmen wollte. Nun spricht ja grundsätzlich nichts dagegen, einen Mailverteiler oder ähnliches einzurichten, um die Interessenten über Aktionen zu informieren. Nach Aussage von Linus fragte das Formular aber weitaus mehr Informationen als nötig ab - so entstand eine Datenbank mit teilweise brisanten Informationen, etwa, wer schon an illegalen Aktionen teilgenommen hat oder grundsätzlich dazu bereit wäre. Diese Informationen mögen in der Hand der Organisation von XR hilfreich für die Bewegung sein - in der Hand der Polizei wären sie es sicher nicht. Aktivistischer Klimaschutz braucht Datenschutz - und zwar nicht nur technischen, sondern eben auch organisatorischen. Man sollte so wenig Daten wie möglich sammeln, denn was nicht da ist, kann nicht wegkommen. Zweckbindung ist ein schönes Instrument - wenn alles nach Plan läuft. Was "harmlose" Datensätze in der Hand der falschen Mächte auslösen können, wissen wir mindestens seit Ditze, der 2015 ein bekanntes Beispiel dazu verbloggte: Wer nichts zu verbergen hatte, wurde erschossen. Also, Datensparsamkeit schützt Aktivisten, die wiederum Druck erzeugen, damit auch unsere Politik unseren Planeten schützt. Gleichzeitig schützt die Datensparsamkeit auch direkt unseren Planeten. Gehen wir nämlich davon aus, dass nicht alle Server bereits mit Ökostrom betrieben werden, so erzeugt jeder Datenverkehr, jedes kleines Päckchen auf dem Weg durchs Netz, einen winzig kleinen C02-Fußabdruck. Öfters mal verzichten ist also nicht nur die Devise beim Fliegen und Fleischessen, sondern auch beim Datenverkehr!

Ein mündiger Umgang mit dem eigenen digitalen Ich, den eigenen Daten, hilft aber auch denen, die ohne direkten Kontakt mit der Staatsmacht zum Klimaschutz beitragen, denn letztendlich hilft ein guter, gelebter Datenschutz unserer Demokratie. Nur wer sich frei und ohne Überwachung, ohne Angst und Repressalien bewegen kann, wird auch gestalterisch tätig werden. Dann kann das Potential, das in uns schlummert, freigesetzt werden - etwa für eine tolle Drecksammelapp wie Dreckspotz, einen kreativen Weg, Lebensmittelverschwendung anzugehen wie Foodsharing oder ein innovatives StartUp, das Carsharing auf dem Dorf ermöglicht oder oder oder... Digitalisierung kann viel bewegen und es gibt durchaus tolle Utopien dazu, wie Digitalisierung unsere Gesellschaft verbessern kann, etwa von Peter Lau. Auch die Konferenz "Bits und Bäume" hat deutlich hervorgehoben, wie Klimaschutz und eine nachhaltige Digitalisierung miteinander verwoben sind.

Insgesamt sehen wir also, dass es keinen Widerspruch gibt zwischen dem Einsatz für (digitale) Freiheit und dem für den Klimaschutz - eigentlich sind sie wie zwei sich ergänzende Kämpfe an verschiedenen Fronten für eine gemeinsame Sache: eine gute und lebenswerte Zukunft.

Unbedachtes Wort

Dieses Wort, das ich von dir gehört,
Das hat zarte Blumen harsch zerstört,
Hat schwache Banden ganz zerbrochen.
Es bleibt der Schmerz und Herzens Pochen.

Du wolltest dieses Wort nicht wählen.
Du wolltest mich gewiss nicht quälen.
Das Wort, das sollte Grenzen setzen,
Doch was es tat, war zu verletzen.

Du hast die Mauern hoch gezogen,
Warst ehrlich, hast uns nicht belogen.
So bin ich gefangen und allein
In deiner Kälte, meinem Schatten,
weinte, was wir verloren hatten.
Schmetterlinge sterben und das Licht
Lebt doch ohne traute Wärme nicht.
Was kann jetzt noch werden mit uns zwein?

Grenzen

Du, sagt die Stimme,
du bist nicht würdig,
du bist nicht wert genug,
im Licht zu sein.

Du, drängst dich aus dem Schatten,
du, lacht die Stimme, die du
doch Schatten bist.
Du hast es nicht verdient
gehört zu werden.

Ich lege das Messer an die Vene
und weiß, dass es ein Trugbild
ist, doch wo ist die Grenze
zwischen mir und der Welt?

Was ist deine Motivation?

Ich fand gerade auf Twitter einen anregenden Artikel von Andreas Halfmann und die Antwort von Ulrich Hierdeis. Die Frage, was einem zum Engagement im Bereich der (digitalen) Schulentwicklung antreibt, ist interessant und passt zu meinen Bildungsreflexionen, also möchte ich mich ihr auseinander setzen.

Mein Weg

Ich bin mit einer sehr schlauen und bewundernswerten Mutter aufgewachsen - nach einem Studium der Physik arbeitete sie zunächst für AEG, wollte aber aus moralischen Gründen (Waffenforschung) dies nicht lange machen. Um für mich da sein zu können, suchte sie einen Job in unserer Kleinstadt - und wurde Programmiererin in einem mittelständischen Unternehmen. Als wir später für zwei Jahre auswanderten, arbeitete sie in den frühen 90ern via Internet im Homeoffice weiter für diese Firma. Wir hatten also einen Computer mit Internetzugang, ehe er sich flächendeckend durchsetzte... Aber ich wollte selbst einen. Also trat ich dem lokalen Computerclub bei und verbrachte meine Freizeit als Schülerin  mit Gamern und Nerds. Witzigerweise hat mich der technische Aspekt dabei selten interessiert - es war ein Kommunikationsmedium, das meine Welt öffnete und mir Zugang zu Wissen gab. Wie es genau funktionierte war mir egal. Es ging um die Menschen am anderen Ende der Leitung.

Diese Haltung habe ich jetzt, 18 Jahre danach, wohl nicht ganz verloren. Immer noch haben die Menschen in meinem Freundeskreis mehr Ahnung von Schaltungen als ich. Immer noch sind die Menschen hinter der Maschine mir wichtiger. Nur sind es jetzt eher die gesamtgesellschaftlichen Prozesse, die mich faszinieren. Mein Sohn wächst in diesen zwei Realitäten auf, die uns jetzt umgeben. Für ihn will ich, dass sie schön bleiben. Deswegen engagiere ich mich im Projekt "Chaos macht Schule". Im Studium hielt ich losen Kontakt zu Menschen im CCC und im Referandariat nutzte ich die Gelegenheit zu einer Zusatzqualifikation, bei der ein Zufall mich zu dem Projekt brachte. All dies, vermute ich, getrieben von Neugierde und ein wenig Karriereehrgeiz und eben dem Willen, den guten Teil der Welt zu erhalten.  Wie Ulrich schrieb: Ich bin eine Lernende. Deswegen lese ich auch Twitter. Lernen in anpassbarer Häppchengröße. 😉

In den letzten Jahren hat sich meine Motivation geändert. Ja, ich will Aufmerksamkeit - eher nicht so für mich, sondern für die Positionen, die ich vertrete. Es ist nicht mehr nur ein bisschen Neugierde und "sich treiben lassen", sondern ziemlich ernsthaft das Bedürfnis, Schulentwicklung und die gesellschaftlichen Prozesse dahinter positiv gestalten zu können. Positiv bedeutet für mich, dass ich die Selbst-Ermächtigung von Menschen ermöglichen will, den Rahmen setzen will für Freiheit, Teilhabe und Demokratie, für Aushandeln und Abwägen, für Einstehen und Einigen auf Basis von Empathie und wissenschaftlicher Logik. Mir reicht es nicht mehr, dass ich digitale Welten verstehe (ich versteh sie ja auch nur teilweise), ich möchte zudem verhindern, dass wir eine Gesellschaft entwickeln, in der dieses Verständnis kleinen Eliten vorbehalten ist. Und ich nutze die digitale Präsenz ein wenig dafür (also Twitter und meine Webseite) - mehr nutze ich allerdings die "echte" Welt und die Gespräche, die sich darin ergeben. Denn schließlich will ich vor allem die erreichen, die sich nicht von sich aus aus der der Unmündigkeit und dem Käfig heraustrauen in die Komplexität, das ständige Scheitern an technische Defekten und die unglaublichen Felder an Möglichkeiten, die uns die Digitalisierung und Technisierung eröffnet.