Digital Summit 2018

Erinnerungen zum Digital Summit 2018, Körber Stiftung

#EduDrinks5

Es ist zwar schon eine ganze Weile her, aber ich war bei den EduDrinks5 und würde auch darüber gerne noch kurz berichten.

Thema der Veranstaltung war die Veröffentlichung des Buches "Die vier Dimensionen der Bildung". Jöran Muuß-Merholz hat das Werk (mit Hilfe) ins Deutsche übertragen und stellte es nun der Öffentlichkeit vor.

Kernfrage des Buches ist die Frage, was man als Kind heute lernen muss, um 2070 noch Verantwortung tragen zu können.

Die Vorstellung begann mit einem Grußwort von Andreas Schleicher. Er spricht über dasselbe Thema in dem Video, das im Wikipedia-Artikel verlinkt ist, aber dort auf Deutsch (Was besser zu verstehen ist für mich, muss ich zugeben.) Eine seiner Kernthesen ist die Aussage, dass sich die Zukunft rasch verändert und wir uns daher auf diese rasche Veränderung einstellen müssen statt auf lebenslanges Wissen. Man müsse Wissen anwenden können und es nicht nur wissen, wichtige Kompetenzen seien Problemlösen, Kooperation, neue Technologien usw.  "[You have to learn] constantly adapting and learning to fit to a fast chaning world where you need to collaborate with lots of diverse people." Zusätzlich hebt er hervor, dass es Charakter bedarf, um die Kompetenzen auch auf eine gute Art und Weise einzusetzen. (Die Bänker an der Wall Street hatten davon wohl nicht so viel.)  Das Ziel der OECD sei es daher, weltweit eine Diskussion über das "Was" von Bildung anzustoßen.

Anschließend wurde - unter diversen technischen Schwierigkeiten und mit viel Geduld - eine Live-Schaltung zum Autor des Buches nach Boston erzeugt, der eine kleine Einleitung in das Buch gibt. Er erinnert daran, dass wir dahin laufen müssen, wo der Hockeypuck sein wird, nicht dorthin, wo er war, um ein Spiel gewinnen zu können. Auch er mahnt die Notwendigkeit von Charaktereigenschaften an: "A whole child for a whole world. The goals of sciene and employability come closer to each other, maybe even unite." Es ist also nicht mehr so, dass beispielweise Teamfähigkeit ein erstrebenswertes Merkmal aus Sicht der Wissenschaft ist, die Wirtschaft erkennt dies mittlerweile ebenfalls als wichtigen "skill" an. (Während ich das schreibe und meine Notizen betrachte, frage ich mich, warum die Wissenschaft da erwähnt wurde. Wäre die Gesellschaft an sich nicht die wichtigere Instanz? Die (Sozial-)Wissenschaft wäre dann nur das entsprechende Sprachrohr. Oder habe ich ihn ganz falsch verstanden?)
Die Veränderungen unserer Gesellschaft seien enorm, etwa durch KI - sogar Kunst oder Emotionen werden durch sie beeinflusst. Wie genau die Zukunft aussehen wird, könnten wir uns nicht vorstellen, es würde neue Berufe geben, die neue Kompetenzen erfordern, von denen wir jetzt nicht nochmal etwas ahnen. (Ich vermute, Mathematik wird wichtig bleiben!) Früher hat es genügt, ein Spezialgebiet wirklich zu beherrschen, aber in der Zukunft wird man vielleicht eher ein Schweizer Messer sein müssen: Alles können und dies auch noch an verschiedenen Punkten vertiefen können. Er vergleicht es mit den Buchstaben "T" und "m". Früher sei es nötig gewesen, ein T zu sein: Eine gewisse Breite im Wissen (der T-Strich) und eine Vertiefung, auf der dies fusst. Heutzutage müsse man eher ein m sein: eine hohe Breite kombiniert mit mehrfachen Vertiefungsgebieten.
Er schlägt vor, dass wir nicht nur über die Inhalte, sondern auch über die Konzepte von Bildung nachdenken. Zum Verändern der Inhalte nennt er die Möglichkeit, dass Curriculum zu durchdenken, so dass weniger Daten, aber mehr Transfer und Expertise gelehrt werden. Er gibt auch zu bedenken, dass Relevanz von Stoff eine Entscheidung ist. Beispielsweise sei es heutzutage nötig, viel über Stochastik zu wissen, dennoch wäre Analysis immer noch das Hauptgebiet im Schulstoff. Realität und Schule klaffen also auseinander.
Er erwähnt eine Reihe von Kompetenzen und Charaktermerkmalen, die er für nötig hält und erinnert daran, dass auch das außerschulische Lernen wichtig sei. Zum Abschluss gibt er zu bedenken, dass die Veränderung oft gegen viele Widerstände (Behörde, eigene Biografie usw.) gedacht werden müsse, ermuntert aber dazu, nicht aufzugeben.

Jöran stellt anschließend das Buch vor, indem er einige Kapitel kurz anspricht. Das Ziel des Buches sei es, Wissen und Meinungen zu Bildung zusammenzutragen, zu ordnen und so lokale Disskusionen zu ermöglich. Man habe weltweit Studien gesammelt, auf Gemeinsamkeiten untersucht und neu geordnet. Der Bildungsbegriff werde dabei ausgeweitet.

Die Veranstaltung schließt mit einer Disskusionsrunde, an der auch ich mich viel beteilige. Kritisch hinterfragen wir, ob das Erreichen so vieler Kompetenzen und Eigenschaften ein realistisches Ziel sei, besonders für Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigungen. Meine Sitznachbarin und ich sind uns sehr harmonisch einig, dass dem nicht so ist. Wir finden, dass im Raum zu wenig lehrende Praktiker sitzen und stoßen darauf mit Rhaberschorle an. Schade, dass sie aus Niedersachsen kommt!

Apps für Lehrer? Sicher!

Digitalisierung der Lehre ist zunehmend ein wichtiges Thema, aber in der Vielzahl an Apps und Möglichkeiten ist Orientierung nicht immer einfach. Didaktisch sinnvoller Einsatz, Datenschutz, Einsatzmöglichkeiten, Usability, eigenes Vorwissen und Möglichkeiten der Schüler erzeugen eine komplexe Entscheidungsituation.

Daher biete ich diese Präsentation im Rahmen einer Fortbildung an. Die Fortbildung richtet sich an absolute Neulinge im Bereich Digitalisierung und an "erfahrene Hasen" gleichermaßen. Ziel ist es, eine kurze Reflexion über Bedingungen und Ziele von digitalisiertem Unterricht zu ermöglichen, sich genauer mit Datenschutz zu befassen und in einer gemeinsamen Arbeitsphase Apps auszuprobieren und Wissenswertes in einem Wiki kollaborativ zusammenzutragen. So soll der Workshop auch eine zukünftige Vernetzung zwischen interessierten Kolleginnen und Kollegen unterstützen.


Creative Commons Lizenzvertrag
Lehrerapp-Präsentation von MBraun ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

 

Termine: Am 12.12.2017 von 14:30 bis 17:30 biete ich eine Fortbildung zum Thema "Apps, Software und digital unterstütze Lehre - mit Sicherheit!" an der Gyula Trebitsch Schule Tonndorf an.

Am 5.6.2018 findet ein Modul zur Ausbildung von LiV am LI statt.

 

Das Handout:

handout (als odt)

handout (als pdf)

 

Diese Präsentation ist für einem Workshop im Medienzentrum der Universität Hamburg entstanden.

Datenschutz

Für das Projekt "Chaos macht Schule" arbeite ich derzeit an einer interaktiven Präsentation. Hier ist die erste Fassung. Bitte gebt mir Bescheid, wenn ihr Fehler findet.

Die Folie zum Lernverhalten soll noch gefüllt werden, interessante Links zu diesem Thema sind daher gerne gesehen.


Lizenzhinweis:
Creative Commons Lizenzvertrag
Datenschutz von MBraun für "Chaos macht Schule" ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

Apps für Lehrer

Das digitale Zeitalter ist in den Kinderzimmern angekomnen, zweifelsohne, kein Lehrer, Elternteil oder Erzieher kann dem mehr ausweichen, irgendwie beschäftigt es uns alle, was die Schützlinge da in der digitalen Welt so treiben. Dabei ist die Digitalisierung eigentlich längst auch woanders angekommen: In unseren Büros. Findige Unternehmer ebenso wie engagierte Lehrer und Programmierer wissen es längst: Auch Lehrer nutzen digitale Tools - und stellen einen enormen Markt dar. Dementsprechend zahlreich sind die Angebote und Alternativen. Von einer kleinen, kostenlosen App zum zufälligen Aussuchen eines Namens bis hin zum kompletten Tool für Unterrichtsplanung, Verwaltung und Benotung bieten der Playstore bzw. App Store beinahe alles, was verspricht, das Leben des geplagten Lehrers zu erleichtern und den Unterricht zu verbessern (oder zumindest eine digitale Komponente hinzufügen).

In der Praxis ist eine dementsprechende Vielfalt der Nutzung ebenso zu beobachten wie eine oftmals unkritische Haltung zu Rechtslage, Datenschutz und der digitalen Vorbildfunktion. Neue Apps werden per Flurfunk empfohlen, kritisch prüft nur der Informatiklehrer XY, und der hilflose Referendar ist eh mit der Angebotsvielfalt überfordert, um NOCH mehr sinnvoll erproben zu können. Die Behörde gibt Richtlinien heraus, die oftmals sinnvoll gedacht sind, aber der realen Lage eben doch nicht entsprechen, weshalb sie entweder ganz ignoriert oder trickreich umgangen werden. Dabei ist gerade der Aspekt des Datenschutzes im Umgang mit sensiblen Schülerdaten ein wichtiges Thema, das nicht einfach ignoriert werden sollte. Stattdessen sollten angehende Lehrer in die Lage versetzt werden, sich in der Angebotsvielfalt kritisch-reflektiv zu orientieren und neue Apps oder Webanwendungen sinnvoll bezüglich Anwendungsgebiet, didaktisch-pädogogischem Nutzen, Zeitbedarf bzw. Einsparung derselben, Usabilty, Datenschutz und rechtlichen Grundfragen einschätzen zu können.

Mit einem Seminar / einem Workshop im Rahmen der Universität Hamburg (Medienzentrum bzw. Fachbereich Medienpädagogik) würde ich gerne Lehramtsstudierende für die Thematik sensibilisieren und gemeinsam mit Ihnen Kriterienkataloge erarbeiten, die ihnen im späteren Lehrerleben die Auswahl und Einschätzung geeigneter Tools erleichtern. Inhalt der Veranstaltung sollen die folgenden Bereiche sein:

  • Nutzung von digitalen Tools - welchen Nutzen hat das? (inkl. theoretischer Überlegungen zum SAMR-Modell)
  • Vorstellung verschiedener möglicher Tools und Bewertung derselben durch die Teilnehmer (es wäre möglich, das Seminar an eine Praxisphase zur Erprobung zu koppeln) - dabei soll sich die Auswahl der Tools an den Interessen der Teilnehmer orientieren
  • Datenschutz (in Kooperation mit dem ChaosComputerClub Hamburg), Urheberrecht und was man sonst noch alles bei digitalen Daten an Vorschriften beachten sollte (bezogen auf die Lage in Hamburg)
  • technische Grundlagen, die notwendig sind, um die Funktionsweisen der Apps im Bezug auf Datenverarbeitung und -speicherung zu verstehen (in Kooperation mit dem ChaosComputerClub Hamburg)

 

Creative Commons Lizenzvertrag
Apps für Lehrer von MBraun ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.