Stilblüten 2020

Auch das jahr 2020 beinhaltet Erheiternde Schülerlösungen (und die von Kolleg*innen natürlich auch. Viel vergnügen, ich werde mich stets mit Freude an diese Aufmunterungen erinnern.

  • Ich dachte beim Korrigieren noch: Oh, Seite 2 und nicht einen Rechtschreibfehler. Dann kam, "dass das lyrische Ich die Begegnung als Schicksaal sieht".
  • Informatikklausur, es geht um Überwachung bei Onlineklausuren: "Beim Verwenden eines Proctors gibt es verschiedenen Schritte, die man beachten muss, z.B. keiner darf im Raum sein und zur Überprüfung muss der Computer herumgeschwenkt werden." Da sieht man,wo uns der ständige Einsatz von Laptops uns hinbringt!
  • (Protoring wird oft durch US-Firmen ausgeführt): "Das heißt, dass Deutschland keinen Zugriff auf die gespeicherten Daten hat."

Glas

Ich bin aus glimmendem, glühenden Glas,
kommst du zu nah, wirst du flammender Fraß.
Sie wollten mich kühlen und warfen mit Eis,
da barst ich zu Splittern, scharfkantig und heiß.

Wollte mit hoffendem Sommerwind reisen,
doch auch er kann mich nur kalt vereisen.
Ach, also stürzt ich und brach grell in Stücke,
schlug meinem Herz eine riesige Lücke.

Schwebe geborsten, verglühend,
Flammen ein bisschen bemühend.
Du - Nebel um mich, wattenweiß.
Ich - glühend und doch nicht zu heiß?
Kannst du mich auch so nah ertragen?
Ich kann das Hoffen noch nicht wagen.
Ich bin aus glimmendem, glühenden Glas.

Dein Wort

Dein Wort, das bezwingt mich nieder,
Dein Wort, das erhebt mich wieder.
Dein Wort verdunkelt meinen ganzen Tag,
Dein Wort, durch das ich wieder lachen mag.

Du sagst, das bringt nichts, dein Wort.
Du fragst, was soll das, dein Wort.

Dein Wort muss nicht gesprochen sein,
Dein Wort wirkt auch durch Blick allein,
Dein Wort ist doch mein Ankerpunkt,
Und schweigst du, brech ich still entzwei.

Sommerwind

Der warme erste Sommerwind
streicht so sanft durch mein Gefieder,
ängstlich, dass sie nicht verloren sind,
strecke ich die Flügel wieder.
Wie die Sonne so weich und zart,
trägt warmer Wind mich leicht empor.
War einst der Boden noch so hart,
und teuer, was ich dann verlor:
nun trägt die Luft mich nicht zu weit,
nun hält mein Anker mit mir Schritt,
nun sind Schmetterlinge im Geleit,
nun Hoffnung, die ich mir erstritt.

Doch viel zu schnell erlischt der Sommerwind
zurück bleibt gebroch'ner Flügel und ein Kind.

Veröffentlich 5.6.2020, editiert 31.7.2020

Ganz ohne Worte

Ich hab so viele Worte für dich
du keine Worte, keine Liebe,
du hast nichts, nichts übrig für mich.

Tage voller Schweigen wie Hiebe
und jeder Tag ist ein Bruch in mir,
ich breche immer weiter in Stücke.

Das Schweigen schlägt mich, ganz ohne wir,
wo du warst in mir bleibt die Lücke.
Das ist das Loch, in das ich falle,

ganz ohne Worte.

Hilfegesuch

Ich stehe in der Dunkelheit
und um mich Raum, so kalt und weit.
Meine Augen sind gefroren blind
so wie Eisblumen am Fenster sind.

Suche Wärme, suche Hände,
wenn ich Glück hab, find ich Wände.

Ich kann dich tragen, kann dich wärmen,
kann träumen, kann von Welten schwärmen,
ich kann leuchten und erhellen,
kann dich aus deinen Ängsten pellen.

Doch ich kann das Eis nicht schmelzen, so allein.
Dazu müssen wir zusammen viele sein.

Schwarzes Loch

Ich trage tausend Sterne in mir drin
und weiß, dass ich doch dunkel für euch bin.
Ich schlage Wellen um mich, die euch ziehen,
und voller Angst bleibt euch nichts als zu fliehen.

In mir sind Licht und Schatten fest verwoben,
zu nah, wird eure Wirklichkeit verschoben.
Ich will so gerne wärmen wie die Sterne,
ganz nah bei euch und nicht in kalter Ferne.
Ich strahle weit hinaus, doch leuchte nicht,
denn ihr sehr nur die Brechung, nicht das Licht.