Hilfegesuch

Ich stehe in der Dunkelheit
und um mich Raum, so kalt und weit.
Meine Augen sind gefroren blind
so wie Eisblumen am Fenster sind.

Suche Wärme, suche Hände,
wenn ich Glück hab, find ich Wände.

Ich kann dich tragen, kann dich wärmen,
kann träumen, kann von Welten schwärmen,
ich kann leuchten und erhellen,
kann dich aus deinen Ängsten pellen.

Doch ich kann das Eis nicht schmelzen, so allein.
Dazu müssen wir zusammen viele sein.

Schwarzes Loch

Ich trage tausend Sterne in mir drin
und weiß, dass ich doch dunkel für euch bin.
Ich schlage Wellen um mich, die euch ziehen,
und voller Angst bleibt euch nichts als zu fliehen.

In mir sind Licht und Schatten fest verwoben,
zu nah, wird eure Wirklichkeit verschoben.
Ich will so gerne wärmen wie die Sterne,
ganz nah bei euch und nicht in kalter Ferne.
Ich strahle weit hinaus, doch leuchte nicht,
denn ihr sehr nur die Brechung, nicht das Licht.

Neu Entflammen

Wir haben gerungen, uns so oft geschlagen,
Teilen den Weg seit so vielen Jahren,
Dass ich vergesse, wie viele es waren.
Wollen uns stets aufs Neue noch wagen.

Du liebst mich, aber es ist so schwer,
Wir teilen alle Ängste, alle Sorgen,
Du trägst mich durch das Jetzt ins Morgen.
Ich lieb dich, jeden Tag noch viel mehr.

Du fängst mich sanft nach jedem neuen Brand,
du bist so müde nach all diesen Runden,
ich sehe uns an, wir sind voller Wunden.
Und dennoch reichst du wieder deine Hand.

Ich will dich entflammen, neu erfinden,
Was wir waren, morgen sind,
Du und ich und auch das Kind,
Uns verlieben und aufs Neue binden.

Denn du bist mein Anker und mein Grund,
Du bist mein Herz, was vertrauen kann,
Du bist mein Leben in jeder Stund,
Du bist mein Licht im Himmel, mein Mann!

Reue

Hab den Schleier der Konventionen zerrisssen,
hab dir die Zähne gezeigt und dich gebissen.
Ich habe nicht gewusst, dass du nicht weißt,
wie man mit einem Wolf umgeht, der beißt.
Ich hab gedacht, ich hätt's erklärt,
doch ist's nur Schmerz, der uns was lehrt.
Ich hab den Regeln viel zu sehr vertraut
und mir doch alle Regeln selbst geraubt.

Jetzt bist du verletzt und pflegst die Wunden,
hast mich ganz fern von dir fest angebunden.


Ich bin nur Wolf und auch geschlagen,
bin ungehört und so voll Fragen.
Ich zweifle an der Welt, an mir, an morgen,
mach mir um dich und deine Sterne Sorgen.
Von Ferne seh ich neidvoll, wie sie helfen.
Und wär doch gern auch eine von den Elfen.

Am Boden

Blut rinnt aus den Adern und den Augen,
Schmerz löscht Feuer und den Glauben.
Zukunft wird Vergangenheit.
Schweigen ist, was übrig bleibt.

Keine Kraft mehr, um zu retten,
keine Kraft mehr, lieg in Ketten,
lieg geknebelt, blutig, wund,
Lächeln reicht nur bis zum Mund.

Richte mich am Nordstern aus,
lieber Stern, führ mich nach Haus!
Doch der Stern ist viel zu klein,
um das einzig´Licht zu sein.

An den Wänden blaue Blüten.
In mir Brände, die so wüten.
Schließ die Augen, schließ die Lippen,
weiße Perlen und alleine kippen.
Füge niemand Schaden zu,
weine leis und gebe Ruh.

Gedanken

Ich denk an dich,
bei Tag, bei Nacht ,
ich denk an dich,
was hast du nur mit mir gemacht?

Mich gefangen,
mich gebunden,
mitgehangen,
mit verbunden,
sind verwoben,
Welt verschoben,
tauschen unten gegen oben,
rauschen durch den Himmelsbogen.

An was denkst du?
Gibt uns dir Ruh?
Denkst auch an mich?
Denkst auch an dich?
Wir schweben hier doch nebenander,
was ist der eine ohn' den ander'?

Schülersprüche

Es gibt immer diese Momente im Unterricht, die man für das Jahrgangsbuch sammelt. Da es für mich ja keine Jahrgangsbücher mehr gibt (und ihr sie auch nicht alle lesen könntet) sammel ich hier. Namen sind selbstverständlich anonymisiert und grundsätzlich in der männlichen Form, weil die Wahrscheinlichkeit, dass eine männliche Person spricht, aufgrund der Geschlechterverteilung meiner Klassen näher liegt. Diese Sammlung ist eine kleine Erheiterungssammlung und soll niemanden dikriminieren oder bloßstellen. In vielen Fällen haben die Schüler*innen mir die Sprüche zugetragen oder sind über die Veröffentlichung informiert. In einigen Fällen stammen die Sprüche aus Gesprächen mit Kolleg*innen, und ich kennzeichne dies nicht gesondert, um die Anonymität zu erhöhen.

Viel Spaß!

Ich muss jetzt gleich los, deswegen verprügeln wir dich jetzt eben schnell und dann können wir später telefonieren!

Mit der Mütze sehen Sie aus wie ein Sahnetörtchen!

Schüler X soll mir seinen Rechner geben. Mitschüler: "Warum muss du ihr den geben?" Schüler X: "Weil ich mir doch so ein Porno-Plugin installiert habe!"

Mittelstufe, S1 zu S2: "Wenn du dich bückst, sieht man deinen ... ... Speck." Lehrkraft kritisiert, S1 empört: "Was, ich hab auch welchen! Man wird Dinge doch noch beim Namen nennen dürfen!"

Unterstufe, Thema Katzenhaltung. S1: "Katzen muss man regelmäßig wurmifizieren." S2: "Das heißt nicht so. Das heißt entwurmifizieren!"

Digitalisierung mit Nachhaltigkeit

"Digitalisierung kann man heutzutage ja eigentlich nicht mehr ohne Nachhaltigkeit denken.", sagte heute eine Teilnehmerin der Talentum zu mir. Klang ganz gut. In den Fragerunde zum Einstiegsvortrag wurde dann alles mögliche gefragt zu "New Work", Haltung und Freiheit. Zu Nachhaltigkeit hat niemand gefragt, aber zur "nächsten Wirtschaftskrise", ob denn da diese ganzen jungen Leute, die mit Freiheit und Bequemlichkeit umsorgt sind, überhaupt noch richtig arbeiten können. Weil man ja produktiv bleiben müsse, Geld regiert die Welt, nicht wahr?

Ist die Nachhaltigkeit nur eine Phrase? Dank friday4future ist es ganz vielen bewusst geworden, 1,4 Mio Menschen haben am 20.9.2019 in Deutschland für besseren Klimaschutz demonstriert. Ist den Unternehmer*innen, den Arbeitnehmer*innen bewusst, wie tief ein verändertes Denken nötig ist? Und überhaupt - was hat Digitalisierung mit Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu tun? Schadet diese "schöne neue Welt" dem Planeten?

Die Digitalisierung kann dem Planeten schaden. Ohne Bitcoin gäbe es keine riesigen Serverfarmen in China, bei der mit Kohlestrom und hohem Energieaufwand Transaktionen durchgeführt werden. Ohne die Austattung nahezu aller Personen in der westlichen Welt mit Smartphone und PCs wäre der Raubbau an seltenen Erden in weniger großem Ausmaß ein Problem. Auch wenn man nicht direkt schädliche Praktiken wie diese Extrembeispiele betrachtet: Online-sein an sich schadet dem Klima, wie die Faktensammlung deutlich zeigt. Demnach erzeugen alle Server der Welt etwa 2% der Emissionen - also etwa so viel wie Deutschland.

Gleichzeitig ist Digitalisierung aber auch eine Chance für Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Es gibt zahlreiche Beispiele, dass eine gut eingesetzte Digitalisierung helfen kann, wie etwa die Studien von Frick und Gossen andeuten. Für den Bereich der Eventplanung zeigt die re:publica auf ihrer Webseite, wie man weiter denken kann. Es bewegt sich viel in diesem Bereich, wie man auch an zahlreichen Messen, Meetings und sogar Preisen sehen kann, zusammengestellt auf nachhaltig.digital.

Man sieht also deutlich, dass Digitalisierung, unsere "schöne neue Welt", viel mit Nachhaltigkeit verwoben ist - oft wohl tiefer, als es den Akteuren bewusst ist. Sie ist aber nicht per se schlecht oder gut. Auch bei vielen anderen Diskussionen, etwa vom Umweltministerium Baden-Württemberg, stellt sich klar heraus, das wir hier Gestaltungsmacht nutzen müssen.

Meine Schüler*innen, oft sehr enagiert, reagierten verhalten auf die Frage, wer zur nächsten Klimademo mitkäme. Keine Zeit. Keine Energie. Zur Demo werden laut Radio 30 000 Menschen erwartet, halb so viele wie beim letzten Mal. Wo ist die andere Hälfte? Ich denke, die andere Hälfte ist sich ihrer Macht nicht bewusst - sie denken nicht nachhaltig, sie reden nur davon. Dabei könnten wir Karriere, etwa in der Digitalisierungsbranche, und Nachhaltigkeit sinnvoll verbinden - Geld muss nicht die Welt regieren, sondern wir können sie gestalten. Wir müssten nur die guten Beispiele nicht aus dem Blick verlieren, nicht davon ausgehen, dass "schon alles gut gehen wird". Digitalisierung kann uns helfen, gegen die Klimakatastrophe vorzugehen - aber ein Selbstläufer ist es nicht, wir müssen gestalterisch eingreifen.

An das Kind

Wenn Kind verstört alleine ist
und du in dir kein Kind vergisst,
dann ist es Öl für dein Entflammen,
stößt Erinnerung mit Kind zusammen.

Nicht deine Schuld, so ist es nicht,
in deiner Welt als purem Licht.
Nicht deine Schuld, der harte Stein,
ist in dem Kind und soll nicht sein.

Handyverbote

Ich halte eine Pädagogik, die auf Verboten basiert, eher für ungeschickt. Daher ist auch ein absolutes Handyverbot in der Schule nicht gut. Besser wäre es, die im Alltag ständig gegenwärtigen Geräte und die dahinter stehenden Strukturen aufzugreifen, um allen einen mündigen, selbstbestimmten Umgang damit zu lehren.
In Deutschland hängt das vom Bundesland und dem Alter der Kinder ab. In der Grundschule mag es noch Sinn machen, ab der weiterführenden Schule eher nicht. Rechtlich ist es dünnes Eis: Geht ein Gerät in der Obhut der Schule kaputt, muss sie es ersetzen, sofern keine andere Regel mit den Eltern vereinbart wurde.
Medienkompetenz heißt ja nicht nur Bedienkompetenz, sondern auch, zur richtigen Zeit die richten Medien wählen zu können, Gefahren und Chancen für die Privatperson, den Karriereweg des Einzelnen und die Entwicklung der Gesamtgesellschaft zu erfassen.
Das ist schwer an die Lebenswelt der Kinder anzuknüpfen, wenn man diese Lebenswelt aus der Schule verbannt. Das Handy ist für Freizeit und Beruf wichtig, als mobile Kommunikationseinheit ebenso wie als Arbeitsplattform. Wenn man es verbietet, lernen das die bildungsfernen Kinder aber nicht - das ist dann Bildungsungerechtigkeit, denn nur Kinder mit entsprechenden Elternhäusern erwerben Kompetenzen, die über das "Zocken" hinausgehen.