Schwarzes Loch

Ich trage tausend Sterne in mir drin
und weiß, dass ich doch dunkel für euch bin.
Ich schlage Wellen um mich, die euch ziehen,
und voller Angst bleibt euch nichts als zu fliehen.

In mir sind Licht und Schatten fest verwoben,
zu nah, wird eure Wirklichkeit verschoben.
Ich will so gerne wärmen wie die Sterne,
ganz nah bei euch und nicht in kalter Ferne.
Ich strahle weit hinaus, doch leuchte nicht,
denn ihr sehr nur die Brechung, nicht das Licht.

Neu Entflammen

Wir haben gerungen, uns so oft geschlagen,
Teilen den Weg seit so vielen Jahren,
Dass ich vergesse, wie viele es waren.
Wollen uns stets aufs Neue noch wagen.

Du liebst mich, aber es ist so schwer,
Wir teilen alle Ängste, alle Sorgen,
Du trägst mich durch das Jetzt ins Morgen.
Ich lieb dich, jeden Tag noch viel mehr.

Du fängst mich sanft nach jedem neuen Brand,
du bist so müde nach all diesen Runden,
ich sehe uns an, wir sind voller Wunden.
Und dennoch reichst du wieder deine Hand.

Ich will dich entflammen, neu erfinden,
Was wir waren, morgen sind,
Du und ich und auch das Kind,
Uns verlieben und aufs Neue binden.

Denn du bist mein Anker und mein Grund,
Du bist mein Herz, was vertrauen kann,
Du bist mein Leben in jeder Stund,
Du bist mein Licht im Himmel, mein Mann!

Reue

Hab den Schleier der Konventionen zerrisssen,
hab dir die Zähne gezeigt und dich gebissen.
Ich habe nicht gewusst, dass du nicht weißt,
wie man mit einem Wolf umgeht, der beißt.
Ich hab gedacht, ich hätt's erklärt,
doch ist's nur Schmerz, der uns was lehrt.
Ich hab den Regeln viel zu sehr vertraut
und mir doch alle Regeln selbst geraubt.

Jetzt bist du verletzt und pflegst die Wunden,
hast mich ganz fern von dir fest angebunden.


Ich bin nur Wolf und auch geschlagen,
bin ungehört und so voll Fragen.
Ich zweifle an der Welt, an mir, an morgen,
mach mir um dich und deine Sterne Sorgen.
Von Ferne seh ich neidvoll, wie sie helfen.
Und wär doch gern auch eine von den Elfen.

Am Boden

Blut rinnt aus den Adern und den Augen,
Schmerz löscht Feuer und den Glauben.
Zukunft wird Vergangenheit.
Schweigen ist, was übrig bleibt.

Keine Kraft mehr, um zu retten,
keine Kraft mehr, lieg in Ketten,
lieg geknebelt, blutig, wund,
Lächeln reicht nur bis zum Mund.

Richte mich am Nordstern aus,
lieber Stern, führ mich nach Haus!
Doch der Stern ist viel zu klein,
um das einzig´Licht zu sein.

An den Wänden blaue Blüten.
In mir Brände, die so wüten.
Schließ die Augen, schließ die Lippen,
weiße Perlen und alleine kippen.
Füge niemand Schaden zu,
weine leis und gebe Ruh.

Gedanken

Ich denk an dich,
bei Tag, bei Nacht ,
ich denk an dich,
was hast du nur mit mir gemacht?

Mich gefangen,
mich gebunden,
mitgehangen,
mit verbunden,
sind verwoben,
Welt verschoben,
tauschen unten gegen oben,
rauschen durch den Himmelsbogen.

An was denkst du?
Gibt uns dir Ruh?
Denkst auch an mich?
Denkst auch an dich?
Wir schweben hier doch nebenander,
was ist der eine ohn' den ander'?

Digitalisierung mit Nachhaltigkeit

"Digitalisierung kann man heutzutage ja eigentlich nicht mehr ohne Nachhaltigkeit denken.", sagte heute eine Teilnehmerin der Talentum zu mir. Klang ganz gut. In den Fragerunde zum Einstiegsvortrag wurde dann alles mögliche gefragt zu "New Work", Haltung und Freiheit. Zu Nachhaltigkeit hat niemand gefragt, aber zur "nächsten Wirtschaftskrise", ob denn da diese ganzen jungen Leute, die mit Freiheit und Bequemlichkeit umsorgt sind, überhaupt noch richtig arbeiten können. Weil man ja produktiv bleiben müsse, Geld regiert die Welt, nicht wahr?

Ist die Nachhaltigkeit nur eine Phrase? Dank friday4future ist es ganz vielen bewusst geworden, 1,4 Mio Menschen haben am 20.9.2019 in Deutschland für besseren Klimaschutz demonstriert. Ist den Unternehmer*innen, den Arbeitnehmer*innen bewusst, wie tief ein verändertes Denken nötig ist? Und überhaupt - was hat Digitalisierung mit Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu tun? Schadet diese "schöne neue Welt" dem Planeten?

Die Digitalisierung kann dem Planeten schaden. Ohne Bitcoin gäbe es keine riesigen Serverfarmen in China, bei der mit Kohlestrom und hohem Energieaufwand Transaktionen durchgeführt werden. Ohne die Austattung nahezu aller Personen in der westlichen Welt mit Smartphone und PCs wäre der Raubbau an seltenen Erden in weniger großem Ausmaß ein Problem. Auch wenn man nicht direkt schädliche Praktiken wie diese Extrembeispiele betrachtet: Online-sein an sich schadet dem Klima, wie die Faktensammlung deutlich zeigt. Demnach erzeugen alle Server der Welt etwa 2% der Emissionen - also etwa so viel wie Deutschland.

Gleichzeitig ist Digitalisierung aber auch eine Chance für Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Es gibt zahlreiche Beispiele, dass eine gut eingesetzte Digitalisierung helfen kann, wie etwa die Studien von Frick und Gossen andeuten. Für den Bereich der Eventplanung zeigt die re:publica auf ihrer Webseite, wie man weiter denken kann. Es bewegt sich viel in diesem Bereich, wie man auch an zahlreichen Messen, Meetings und sogar Preisen sehen kann, zusammengestellt auf nachhaltig.digital.

Man sieht also deutlich, dass Digitalisierung, unsere "schöne neue Welt", viel mit Nachhaltigkeit verwoben ist - oft wohl tiefer, als es den Akteuren bewusst ist. Sie ist aber nicht per se schlecht oder gut. Auch bei vielen anderen Diskussionen, etwa vom Umweltministerium Baden-Württemberg, stellt sich klar heraus, das wir hier Gestaltungsmacht nutzen müssen.

Meine Schüler*innen, oft sehr enagiert, reagierten verhalten auf die Frage, wer zur nächsten Klimademo mitkäme. Keine Zeit. Keine Energie. Zur Demo werden laut Radio 30 000 Menschen erwartet, halb so viele wie beim letzten Mal. Wo ist die andere Hälfte? Ich denke, die andere Hälfte ist sich ihrer Macht nicht bewusst - sie denken nicht nachhaltig, sie reden nur davon. Dabei könnten wir Karriere, etwa in der Digitalisierungsbranche, und Nachhaltigkeit sinnvoll verbinden - Geld muss nicht die Welt regieren, sondern wir können sie gestalten. Wir müssten nur die guten Beispiele nicht aus dem Blick verlieren, nicht davon ausgehen, dass "schon alles gut gehen wird". Digitalisierung kann uns helfen, gegen die Klimakatastrophe vorzugehen - aber ein Selbstläufer ist es nicht, wir müssen gestalterisch eingreifen.

An das Kind

Wenn Kind verstört alleine ist
und du in dir kein Kind vergisst,
dann ist es Öl für dein Entflammen,
stößt Erinnerung mit Kind zusammen.

Nicht deine Schuld, so ist es nicht,
in deiner Welt als purem Licht.
Nicht deine Schuld, der harte Stein,
ist in dem Kind und soll nicht sein.

Handyverbote

Ich halte eine Pädagogik, die auf Verboten basiert, eher für ungeschickt. Daher ist auch ein absolutes Handyverbot in der Schule nicht gut. Besser wäre es, die im Alltag ständig gegenwärtigen Geräte und die dahinter stehenden Strukturen aufzugreifen, um allen einen mündigen, selbstbestimmten Umgang damit zu lehren.
In Deutschland hängt das vom Bundesland und dem Alter der Kinder ab. In der Grundschule mag es noch Sinn machen, ab der weiterführenden Schule eher nicht. Rechtlich ist es dünnes Eis: Geht ein Gerät in der Obhut der Schule kaputt, muss sie es ersetzen, sofern keine andere Regel mit den Eltern vereinbart wurde.
Medienkompetenz heißt ja nicht nur Bedienkompetenz, sondern auch, zur richtigen Zeit die richten Medien wählen zu können, Gefahren und Chancen für die Privatperson, den Karriereweg des Einzelnen und die Entwicklung der Gesamtgesellschaft zu erfassen.
Das ist schwer an die Lebenswelt der Kinder anzuknüpfen, wenn man diese Lebenswelt aus der Schule verbannt. Das Handy ist für Freizeit und Beruf wichtig, als mobile Kommunikationseinheit ebenso wie als Arbeitsplattform. Wenn man es verbietet, lernen das die bildungsfernen Kinder aber nicht - das ist dann Bildungsungerechtigkeit, denn nur Kinder mit entsprechenden Elternhäusern erwerben Kompetenzen, die über das "Zocken" hinausgehen.

Verwobene Vorwürfe

Du sagst: Sei bitte jetzt ehrlich!
Ich sag: Ich fühle ein Problem.
Du sagst: Probleme sind gefährlich.
Ich sag: Ich will reden, trotzdem.

Du sagst: Das jetzt zu ertragen
geht nicht, das ist mir heut zu schwer,
du musst aufhören zu fragen,
bin nicht bereit, du drängst zu sehr.

Ich sag: Wie kann ich uns finden,
wenn ich nicht mit dir reden kann?
Kann nicht aufhören, uns binden
die Wörter, die du meidest. Dann

löse ich das Band und du sagst,
dass du nur Ehrlichkeit magst.

Datenschutz ist Klimaschutz

"Was hälst du eigentlich von Extinction Rebellion?", fragte mich ein Bekannter neulich. "Gute Sache, " sagte ich, " aber sie müssten öfters mal den Chaos Computer Club fragen, ehe sie was digitales machen." Wie kam ich darauf und was hat eigentlich Datenschutz mit Klimaschutz zu tun?

Extinction Rebellion ist eine Gruppe aus England, die in der Zwischenzeit weltweit Mitglieder hat. Sie demonstrieren für mehr Maßnahmen gegen die Klimakrise und machen mit gewaltfreien Aktionen, die auch zivilen Ungehorsam beinhalten, auf die drohende Gefahr aufmerksam. Die Aktivist*innen gehen dabei auch das Risiko ein, verhaftet zu werden. Kritik an der Bewegung gibt es viel: Einigen ist sie zu radikal, anderen zu weiß und wieder anderen nicht radikal genug. Ich halte mich da an Linus Neumann, einem der Sprecher des Chaos Computer Clubs, der im Podcast "Logbuch:Netzpolitik: Rebellionstinder" vom 7.10.2019 überzeugend darauf hinwies, dass es nicht hilfreich ist, das eigene Lager zu beschimpfen - und ja, ich bin überzeugt, dass die Klimakatastrophe ein ernstes Problem ist. Also halte ich Aktionen, die gewaltfrei bleiben und darauf aufmerksam machen, grundsätzlich für gut. Wie Linus bin ich der Meinung, dass man lieber nette Hinweise formulieren sollte, solidarisch Kritik üben.
Was also hat XR getan, um sich Kritik aus den Reihen des CCC einzuheimsen?

Nun, der Titel der Podcast-Folge legt es schon nahe: Sie haben auf ihrer Homepage ein Formular angeboten, bei dem man sich eintragen konnte, wenn man an der Aktion teilnehmen wollte. Nun spricht ja grundsätzlich nichts dagegen, einen Mailverteiler oder ähnliches einzurichten, um die Interessenten über Aktionen zu informieren. Nach Aussage von Linus fragte das Formular aber weitaus mehr Informationen als nötig ab - so entstand eine Datenbank mit teilweise brisanten Informationen, etwa, wer schon an illegalen Aktionen teilgenommen hat oder grundsätzlich dazu bereit wäre. Diese Informationen mögen in der Hand der Organisation von XR hilfreich für die Bewegung sein - in der Hand der Polizei wären sie es sicher nicht. Aktivistischer Klimaschutz braucht Datenschutz - und zwar nicht nur technischen, sondern eben auch organisatorischen. Man sollte so wenig Daten wie möglich sammeln, denn was nicht da ist, kann nicht wegkommen. Zweckbindung ist ein schönes Instrument - wenn alles nach Plan läuft. Was "harmlose" Datensätze in der Hand der falschen Mächte auslösen können, wissen wir mindestens seit Ditze, der 2015 ein bekanntes Beispiel dazu verbloggte: Wer nichts zu verbergen hatte, wurde erschossen. Also, Datensparsamkeit schützt Aktivisten, die wiederum Druck erzeugen, damit auch unsere Politik unseren Planeten schützt. Gleichzeitig schützt die Datensparsamkeit auch direkt unseren Planeten. Gehen wir nämlich davon aus, dass nicht alle Server bereits mit Ökostrom betrieben werden, so erzeugt jeder Datenverkehr, jedes kleines Päckchen auf dem Weg durchs Netz, einen winzig kleinen C02-Fußabdruck. Öfters mal verzichten ist also nicht nur die Devise beim Fliegen und Fleischessen, sondern auch beim Datenverkehr!

Ein mündiger Umgang mit dem eigenen digitalen Ich, den eigenen Daten, hilft aber auch denen, die ohne direkten Kontakt mit der Staatsmacht zum Klimaschutz beitragen, denn letztendlich hilft ein guter, gelebter Datenschutz unserer Demokratie. Nur wer sich frei und ohne Überwachung, ohne Angst und Repressalien bewegen kann, wird auch gestalterisch tätig werden. Dann kann das Potential, das in uns schlummert, freigesetzt werden - etwa für eine tolle Drecksammelapp wie Dreckspotz, einen kreativen Weg, Lebensmittelverschwendung anzugehen wie Foodsharing oder ein innovatives StartUp, das Carsharing auf dem Dorf ermöglicht oder oder oder... Digitalisierung kann viel bewegen und es gibt durchaus tolle Utopien dazu, wie Digitalisierung unsere Gesellschaft verbessern kann, etwa von Peter Lau. Auch die Konferenz "Bits und Bäume" hat deutlich hervorgehoben, wie Klimaschutz und eine nachhaltige Digitalisierung miteinander verwoben sind.

Insgesamt sehen wir also, dass es keinen Widerspruch gibt zwischen dem Einsatz für (digitale) Freiheit und dem für den Klimaschutz - eigentlich sind sie wie zwei sich ergänzende Kämpfe an verschiedenen Fronten für eine gemeinsame Sache: eine gute und lebenswerte Zukunft.