Sommerwind

Der warme erste Sommerwind
streicht so sanft durch mein Gefieder,
ängstlich, dass sie nicht verloren sind,
strecke ich die Flügel wieder.
Wie die Sonne so weich und zart,
trägt warmer Wind mich leicht empor.
War einst der Boden noch so hart,
und teuer, was ich dann verlor:
nun trägt die Luft mich nicht zu weit,
nun hält mein Anker mit mir Schritt,
nun sind Schmetterlinge im Geleit,
nun Hoffnung, die ich mir erstritt.

Ganz ohne Worte

Ich hab so viele Worte für dich
du keine Worte, keine Liebe,
du hast nichts, nichts übrig für mich.

Tage voller Schweigen wie Hiebe
und jeder Tag ist ein Bruch in mir,
ich breche immer weiter in Stücke.

Das Schweigen schlägt mich, ganz ohne wir,
wo du warst in mir bleibt die Lücke.
Das ist das Loch, in das ich falle,

ganz ohne Worte.

Textgebundene Erörterung: "Die Grenzen meiner Sprache"

Ich fand beim Aufräumen einen alten Aufsatz aus meiner Schulzeit, den ich immer noch durchaus spannend finde. Er ist außerdem ein gutes Beispiel für eine textgebundene Erörterung. Leider fehlen mir die korrekten Quellenangaben für die Bezugstexte, wer da mehr weiß, möge sich bitte gern bei mir melden!

Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt

Was ist Sprache? Sie besteht aus Wörtern. Was ist ein Wort und was bedeutet es? Ludwig Wittgenstein versucht in seinem Text "Spiele - Versuch einer Definition" zu klären, was das Wort "Spiele" bedeutet. Es gelingt ihm nicht, eine eindeutige Definition herauszuarbeiten, die klar festlegen würde, was ein "Spiel" ist und was nicht. Daher kommt er zu dem Schluß, dass der Begriff nicht abgegrenzt ist. Ebenso verhält es sich mit jedem anderen Wort. Grenzen, die die Bedeutung eines Wortes exakt festlegen, gibt es beinahe nie. Sie werden von jeder Person selber gezogen, schließt Wittgenstein daraus. Als Ergänzung kann man anführen, dass jeder somit seine Wortbedeutungsrenzen nach eigener Erfahrung zieht. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Jugendsprache. Für einen nicht eingeweihten Erwachsenen bedeutet das Wort "heiß" eine erhöhte Temperatur. In der Jugendsprache bedeutet es aber auch "gut", "Klasse", "toll" und "gutaussehend" (u.a.). Man sieht also, dass Wortdefinitionen immer vom eigenen Erfahrungsschatz beeinflusst werden, und damit auch die Sprache und ihr Gebrauch.

Dies fpührt zu der These, dass man an den Abgrenzungen in der Sprache eines Menschen sein Weltbild erkennen kann. Denn das Weltbild wird von denselben Erfahrungen geprägt wie die Sprache. Auf diese Weise kann man die Aussage "Wittgenstein "Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt" bestätigen. Denn wo der Erfahrungsbereich, die persönliche Welt, aufhört, da hört auch die Sprache auf. Umgekehrt formuliert: Wo die Sprache die Grenzen setzt, dort hört die erfahrene Welt auf.
Unterstützend für die These ist auch die Tatsache, dass Dinge, die vom Menschen nicht verstanden und benannt werden können, ihm Angst einjagen. Er muss es "begreifen" können und mit einem "Begriff" belegen können. Nicht von ungefähr stammen diese beiden Wörter aus der gleichen Wortfamilie. Etwas nicht benanntes liegt außerhalb der Welt eines Menschen. Wo die Sprache endet, endet also auch die sichere, erfahrbare Welt eines Menschen und Angst und Ungewissheit treten an ihre Stelle. "Sprachlos vor Schrecken oder Angst" ist ein Beispiel dafür, ebenso die Schweigeminute für Tote. Wo die Sprache endet, endet eben auch das Verständnis und die erfahrbare Welt.

Beide Feststellungen unterstützen Wittgensteins These, rufen aber gleichzeitig den Eindruck hervor, dass eigentlich nicht die Sprache die Welt, sondern vielmehr die Welt die Sprache begrenzt. Betrachtet man die Konsequenzen, die beide Feststellungen hervorrufen, so gelangt man zu einem weiteren Argument, das Wittgensteins These direkter unterstützt.
Da die Weltbilder aller Menschen verschieden sind, und sie sich in der Sprache erkennen lassen, wie vorne aufgeführt, führt dies dazu, dass bei jeder menschen Kommunikation durch Sprache stets die unterschiedlichen Weltbilder aufeinanderprallen. Dies führt durch unterschiedliche Wortdefinitionen und ähnlichem zu Konflikten und gestörter Kommunikation. Die Mitteilung kommt nicht si beim Empfänger an, wie der Sender es sich gedacht hat. Diese Probleme treten schon auf, wenn man diesselbe Sprache spricht. Beispiel: "Das Konzert war heiß!" - "Wieso, war zu stark geheizt?". Sie vertiefen sich aber noch ungemein, wenn Sender und Empfänger unterschiedliche Sprachen sprechen.
Hinzu kommt als Konsequenz der zweiten Feststellung, dass eine unbekannte Sprache für einen Menschen etwas Unbekanntes, nicht mit den "richtigen" Begriffen Belegtes, ist. Unbekannte Sprachen und Zeichen rufen daher Missverständnisse und Angst hervor. Die Grenzen unserer Sprache begrenzen damit also auch unsere erfahrbare Welt. Denn wir können nur erfahren, was wir verstehen, alles andere liegt außerhalb unserer Welt.

Neben allen diesen Grenzfunktionen der Sprache, die eher unbewusst geschehen, sollte man nicht vergessen, dass Sprache oft auch mit Absicht zur Abgrenzung eingesetzt wird - und eben auch eingesetzt werden kann. Deutsch ist anders als Französisch, Deutsche also anders als Franzosen, Alte sprechen anders als Junge, Gebildete anders als Ungebildete.
Das Weltbild und die Sprache eines Menschen sind untrennbar miteinander verbunden, das eine beeinflusst stets das andere. Man kann daher sehr wohl sagen, dass Wittgensteins These wahr ist. Mann könnte sie aber genauso gut andersrum formulieren: "Die Grenzen meiner Welt sind die Grenzen meiner Sprache." Was nun was begrenzt, ist letztendlich genauso wenig zu sagen wie die Frage, was ein "Spiel" ist und was nicht, zu beantworten ist.

Hilfegesuch

Ich stehe in der Dunkelheit
und um mich Raum, so kalt und weit.
Meine Augen sind gefroren blind
so wie Eisblumen am Fenster sind.

Suche Wärme, suche Hände,
wenn ich Glück hab, find ich Wände.

Ich kann dich tragen, kann dich wärmen,
kann träumen, kann von Welten schwärmen,
ich kann leuchten und erhellen,
kann dich aus deinen Ängsten pellen.

Doch ich kann das Eis nicht schmelzen, so allein.
Dazu müssen wir zusammen viele sein.

Schwarzes Loch

Ich trage tausend Sterne in mir drin
und weiß, dass ich doch dunkel für euch bin.
Ich schlage Wellen um mich, die euch ziehen,
und voller Angst bleibt euch nichts als zu fliehen.

In mir sind Licht und Schatten fest verwoben,
zu nah, wird eure Wirklichkeit verschoben.
Ich will so gerne wärmen wie die Sterne,
ganz nah bei euch und nicht in kalter Ferne.
Ich strahle weit hinaus, doch leuchte nicht,
denn ihr sehr nur die Brechung, nicht das Licht.

Neu Entflammen

Wir haben gerungen, uns so oft geschlagen,
Teilen den Weg seit so vielen Jahren,
Dass ich vergesse, wie viele es waren.
Wollen uns stets aufs Neue noch wagen.

Du liebst mich, aber es ist so schwer,
Wir teilen alle Ängste, alle Sorgen,
Du trägst mich durch das Jetzt ins Morgen.
Ich lieb dich, jeden Tag noch viel mehr.

Du fängst mich sanft nach jedem neuen Brand,
du bist so müde nach all diesen Runden,
ich sehe uns an, wir sind voller Wunden.
Und dennoch reichst du wieder deine Hand.

Ich will dich entflammen, neu erfinden,
Was wir waren, morgen sind,
Du und ich und auch das Kind,
Uns verlieben und aufs Neue binden.

Denn du bist mein Anker und mein Grund,
Du bist mein Herz, was vertrauen kann,
Du bist mein Leben in jeder Stund,
Du bist mein Licht im Himmel, mein Mann!

Reue

Hab den Schleier der Konventionen zerrisssen,
hab dir die Zähne gezeigt und dich gebissen.
Ich habe nicht gewusst, dass du nicht weißt,
wie man mit einem Wolf umgeht, der beißt.
Ich hab gedacht, ich hätt's erklärt,
doch ist's nur Schmerz, der uns was lehrt.
Ich hab den Regeln viel zu sehr vertraut
und mir doch alle Regeln selbst geraubt.

Jetzt bist du verletzt und pflegst die Wunden,
hast mich ganz fern von dir fest angebunden.


Ich bin nur Wolf und auch geschlagen,
bin ungehört und so voll Fragen.
Ich zweifle an der Welt, an mir, an morgen,
mach mir um dich und deine Sterne Sorgen.
Von Ferne seh ich neidvoll, wie sie helfen.
Und wär doch gern auch eine von den Elfen.

Am Boden

Blut rinnt aus den Adern und den Augen,
Schmerz löscht Feuer und den Glauben.
Zukunft wird Vergangenheit.
Schweigen ist, was übrig bleibt.

Keine Kraft mehr, um zu retten,
keine Kraft mehr, lieg in Ketten,
lieg geknebelt, blutig, wund,
Lächeln reicht nur bis zum Mund.

Richte mich am Nordstern aus,
lieber Stern, führ mich nach Haus!
Doch der Stern ist viel zu klein,
um das einzig´Licht zu sein.

An den Wänden blaue Blüten.
In mir Brände, die so wüten.
Schließ die Augen, schließ die Lippen,
weiße Perlen und alleine kippen.
Füge niemand Schaden zu,
weine leis und gebe Ruh.

Gedanken

Ich denk an dich,
bei Tag, bei Nacht ,
ich denk an dich,
was hast du nur mit mir gemacht?

Mich gefangen,
mich gebunden,
mitgehangen,
mit verbunden,
sind verwoben,
Welt verschoben,
tauschen unten gegen oben,
rauschen durch den Himmelsbogen.

An was denkst du?
Gibt uns dir Ruh?
Denkst auch an mich?
Denkst auch an dich?
Wir schweben hier doch nebenander,
was ist der eine ohn' den ander'?

Schülersprüche

Es gibt immer diese Momente im Unterricht, die man für das Jahrgangsbuch sammelt. Da es für mich ja keine Jahrgangsbücher mehr gibt (und ihr sie auch nicht alle lesen könntet) sammel ich hier. Namen sind selbstverständlich anonymisiert und grundsätzlich in der männlichen Form, weil die Wahrscheinlichkeit, dass eine männliche Person spricht, aufgrund der Geschlechterverteilung meiner Klassen näher liegt. Diese Sammlung ist eine kleine Erheiterungssammlung und soll niemanden dikriminieren oder bloßstellen. In vielen Fällen haben die Schüler*innen mir die Sprüche zugetragen oder sind über die Veröffentlichung informiert. In einigen Fällen stammen die Sprüche aus Gesprächen mit Kolleg*innen, und ich kennzeichne dies nicht gesondert, um die Anonymität zu erhöhen.

Viel Spaß!

Ich muss jetzt gleich los, deswegen verprügeln wir dich jetzt eben schnell und dann können wir später telefonieren!

Mit der Mütze sehen Sie aus wie ein Sahnetörtchen!

Schüler X soll mir seinen Rechner geben. Mitschüler: "Warum muss du ihr den geben?" Schüler X: "Weil ich mir doch so ein Porno-Plugin installiert habe!"

Mittelstufe, S1 zu S2: "Wenn du dich bückst, sieht man deinen ... ... Speck." Lehrkraft kritisiert, S1 empört: "Was, ich hab auch welchen! Man wird Dinge doch noch beim Namen nennen dürfen!"

Unterstufe, Thema Katzenhaltung. S1: "Katzen muss man regelmäßig wurmifizieren." S2: "Das heißt nicht so. Das heißt entwurmifizieren!"

Aufgabe: "Untersuche, ob der Graph symmetrisch ist." Antwort: "Nein, da es durch die Bewegung des Graphen nicht möglich ist."